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Der Vorleser*  - Schlink, BernhardNiveau 4

Der Vorleser*

Autor:Schlink, Bernhard
Erscheinungsjahr:1995
Verlag:Diogenes
Verlagsort:Zürich
Seitenzahl:206
Gattung:Ideen-Roman
Thema:Recht und Gerechtigkeit
Sprachniveau: B2
 
Leser
Lehrer
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2001 wurde Schlink zum Chevalier dans l'Ordre de la Légion d'Honneur ernannt, 2002 erhielt er den Preis des German-British Forum für sein Gesamtwerk, 2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für Der Vorleser.
Verfilmung: The Reader (2008) - mit Kate Winslet.

 

Zum Autor

Bernhard Schlink (*1944) ist Professor für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität in Berlin und zählt zurzeit wohl zu den erfolgreichsten deutschen Autoren im In- und Ausland. Seinen schriftstellerischen Erfolg verdankt er vor allem seinem 1995 erschienen Roman Der Vorleser, der 2008 mit Kate Winslet, Ralph Fiennes und David Kross verfilmt wurde. Schlink setzt sich in seinen Romanen, und so auch in Der Vorleser, vor allem mit Lebenslügen, Fragen der Schuld und Unschuld sowie den Unterschieden zwischen Recht und Gerechtigkeit auseinander. Diese thematische Vorliebe zeigt sich auch in seiner Genrewahl, denn Schlink ist vor allem als Autor von Kriminalromanen bekannt wie etwa der Selb-Trilogie (1987-2001) und Die gordische Schleife (1988).

Zum Inhalt

Der Weltkrieg ist seit gut eineinhalb Jahrzehnten vorbei, die nationalsozialistischen Machthaber sind tot, hinter Gittern oder geflüchtet, die Trümmer sind aufgeräumt und das 'Dritte Reich' ist nur noch eine dunkle Erinnerung. Man richtet den Blick nach vorne und feiert das deutsche Wirtschaftswunder. Das ist die Welt des fünfzehnjährigen Michael, der ein ruhiges und sorgloses Leben führt. Zumindest bis er die zwanzig Jahre ältere Hanna trifft und die Liebe entdeckt. Dann ist Hanna jedoch eines Tages plötzlich verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie an einem Ort wieder, den er in seinen kühnsten Träumen nicht erwartet hätte. Michael, mittlerweile ein engagierter Jurastudent, nimmt als Prozessbeobachter an einem Kriegsverbrecherprozess teil. Ungläubig beobachtet Michael wie seine erste Liebe auf der Anklagebank sitzt und für ihre NS-Vergangenheit geradestehen muss…

Lesehinweise

Der Roman ist einfach zu lesen, da die Sprache recht klar und deutlich ist. Du wirst aber dazu aufgefordert über einige schwierige Fragen nachzudenken: Was ist Schuld, was Unschuld? Gibt es so etwas wie eine Kollektivschuld? Wie geht eine Gemeinschaft mit einem begangenen Unrecht um? Ist es Unrecht, wenn man nach Regeln und Gesetzen handelt? Und, wenn ja, wie geht man nachträglich damit um? Die Mitte des Buches, in der der Erzähler den Prozess beschreibt und sich mit Hannas Vergangenheit auseinandersetzt, wirst du vielleicht als etwas schwieriger zu lesen wahrnehmen, allerdings werden sich dir hier auch die interessantesten Fragen stellen.

Zum Nachdenken

Neben den schon erwähnten Fragen, mit denen sich Der Vorleser auseinandersetzt, solltest du auch darüber nachdenken, welches Bild der Roman von der deutschen Vergangenheitsbewältigung entwirft. Wie nimmst du sie wahr? Kann Vergangenheit überhaupt bewältigt werden? Und wie beurteilst du den deutschen Umgang mit der Vergangenheit im Vergleich mit dem niederländischen? Wo sind Parallelen und wo Unterschiede?

Wertung

"Ik vond het een leuk boek, erg apart en vernieuwend. Het verhaal speelt enkele tientallen jaren geleden, maar is ook voor deze tijd erg relevant. […] Ondanks dat het boek in het Duits geschreven is, is het voor (bijna) iedereen goed te lezen. De personages zijn zo beschreven dat je je prima kunt inleven." (Esther, 6 vwo, www.scholieren.com , 1.11.2011)

"Dieses Buch ist ideal für den Schüler von heute: Halbwegs interessant und einfach zu lesen! […] Am Anfang hat der Leser das Problem, dass Bernhard Schlink mit Zeitsprüngen arbeitet, was das Einordnen der Geschichte in einen zeitlichen Rahmen sehr schwierig gestaltet. Erst im Nachhinein, was auch ein geschicktes Mittel ist und die Geschichte spannend gestaltet, kann man die Geschichte im Ganzen nachvollziehen. Unserer Meinung nach gestaltet Schlink die Spannung zwischen der 1. und 2. Generation, die er abstrakt in eine Liebesgeschichte verpackt, sehr interessant. Es ist ein wichtiges Buch, um das Geschehen des Krieges aufzuarbeiten und die sozialen Probleme der Nachkriegszeit zu verarbeiten." (www.mitte-news.de/vorleser.htm , 8.3.2012)

"Ik vond dit boek best leuk om te lezen. Het verhaal bestaat uit 3 delen, waarvan ik het tweede deel in het begin niet zo goed kon volgen. Achteraf heb ik met een uittreksel gekeken of het een beetje klopte wat ik eruit gehaald had, en dat bleek grotendeels wel goed te zijn." (Kaz, 5 vwo, www.scholieren.com , 1.11.2011)

Lesetipps

Ödön von Horváth: Jugend ohne Gott (1937)
Siegfried Lenz: Deutschstunde (1968)
Nicol Ljubic: Meeresstille (2010)
Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini (2011)

 

erstellt von

Britta C. Jung

Empfohlen


Der Vorleser*  - Schlink, BernhardNiveau 4

Der Vorleser*

Autor:Schlink, Bernhard
Erscheinungsjahr:1995
Verlag:Diogenes
Verlagsort:Zürich
Seitenzahl:206
Gattung:Ideen-Roman
Thema:Recht und Gerechtigkeit
Sprachniveau: B2
 
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2001 wurde Schlink zum Chevalier dans l'Ordre de la Légion d'Honneur ernannt, 2002 erhielt er den Preis des German-British Forum für sein Gesamtwerk, 2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für Der Vorleser.
Verfilmung: The Reader (2008) - mit Kate Winslet.

 

Aufgaben

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Der Vorleser*  - Schlink, BernhardNiveau 4

Der Vorleser*

Autor:Schlink, Bernhard
Erscheinungsjahr:1995
Verlag:Diogenes
Verlagsort:Zürich
Seitenzahl:206
Gattung:Ideen-Roman
Thema:Recht und Gerechtigkeit
Sprachniveau: B2
 
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2001 wurde Schlink zum Chevalier dans l'Ordre de la Légion d'Honneur ernannt, 2002 erhielt er den Preis des German-British Forum für sein Gesamtwerk, 2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für Der Vorleser.
Verfilmung: The Reader (2008) - mit Kate Winslet.

 

Aufgaben

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Der Vorleser*

Autor:Schlink, Bernhard
Erscheinungsjahr:1995
Verlag:Diogenes
Verlagsort:Zürich
Seitenzahl:206
Gattung:Ideen-Roman
Thema:Recht und Gerechtigkeit
Sprachniveau: B2
 
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2001 wurde Schlink zum Chevalier dans l'Ordre de la Légion d'Honneur ernannt, 2002 erhielt er den Preis des German-British Forum für sein Gesamtwerk, 2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für Der Vorleser.
Verfilmung: The Reader (2008) - mit Kate Winslet.

 

Aufgaben

BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN3/1
Niveau3
Studienlast1
Arbeitsformindividuell
FokusFigurendarstellung
Ziel

Charakterisierung von Hanna Schmitz

Aufgabe

Vom ersten Treffen an übt Hanna eine besondere Anziehungskraft auf Michael aus. Untersuche deshalb die Figur 'Hanna Schmitz' näher unter diesem Gesichtspunkt.
1. Welche äußerlichen Merkmale weist Hanna auf? Versuche dabei vor allem Antworten auf die folgenden Fragen zu finden: Wie sieht sie aus? Wie kleidet sie sich? Was arbeitet sie?
2. Welche Charaktereigenschaften und Angewohnheiten besitzt Hanna? Überlege wie sie sich in bestimmten Situationen verhält! Zum Beispiel in ihrer Wohnung, während des Fahrradausflugs, beim Prozess oder im Gefängnis.
3. Inwieweit verändert sich Hanna im Laufe des Romans?

Geschrieben vonBritta C. Jung



BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN3/2
Niveau3
Studienlast1
ArbeitsformGruppenarbeit
FokusMoral
Ziel

Lesermeinungen austauschen

Aufgabe

In dieser Aufgabe werdet ihr den Einfluss von Michaels Beziehung zu Hanna auf sein weiteres Leben unter die Lupe nehmen und diskutieren.

Am Ende des Romans kommt es in New York zu folgendem Gespräch zwischen dem alten, gereiften Michael und der Zeugin aus Hannas Prozess:

'Sie meinen, Sie haben zusammen geschlafen?'
'Ja.'
'Was ist diese Frau brutal gewesen. Haben Sie's verkraftet, daß Sie mit fünfzehn... Nein, Sie sagen selbst, daß Sie ihr wieder vorzulesen begonnen haben, als sie im Gefängnis war. Haben Sie jemals geheiratet?'
Ich nickte.
'Und die Ehe war kurz und unglücklich, und Sie haben nicht wieder geheiratet, und das Kind, wenn's eines gibt, ist im Internat.'
'Das trifft für Tausende zu; dazu braucht es keine Frau Schmitz.'

(Bernhard Schlink: Der Vorleser, Zürich: Diogenes, 1997, S. 202)

Wie ihr an diesem kurzen Wortwechsel seht hat die Zeugin ein ganz anderes Bild von der Beziehung als Michael selbst. Für sie ist Michael zum Opfer von Hanna geworden.

Diskutiert in der Gruppe, inwieweit Michael Hannas Opfer ist? Die folgenden Fragen sollten euch den Anfang erleichtern:
> Welche positiven/negativen Auswirkungen hat die Beziehung auf Michael?
> Inwiefern unterscheidet sich Michael von Hannas früheren Vorlesern?
> Wer oder was ist überhaupt ein Opfer? Fallen euch dazu Beispiele aus Film, Fernsehen oder eurem Alltagsleben ein?
> Zu jedem Opfer gehört ein Täter. Inwiefern ist Hanna eine Täterin in der Beziehung zu Michael?

Geschrieben vonBritta C. Jung



BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN3/3
Niveau3
Studienlast1
Arbeitsformindividuell
FokusMoral
Ziel

kreativer Schreibauftrag

Aufgabe

An einer Stelle fragt der Richter die Angeklagten, ob sie denn nicht gewusst haben, dass sie Gefangene in den Tod schicken, wenn sie diese selektieren. Hanna stellt dem Richter die Gegenfrage, was er denn an ihrer Stelle getan hätte und bringt ihn damit in eine schwierige Situation (S. 106-107).

Stell dir vor, wie der Richter abends nach Hause geht. Hannas Frage geht ihm immer noch im Kopf herum und lässt ihm einfach keine Ruhe. Er weiß, dass er sie nicht zufriedenstellend beantworten konnte. Beim Abendessen fragt ihn schließlich seine Ehefrau, wo er mit seinen Gedanken ist.

Schreibe den möglichen Dialog zwischen dem Richter und seiner Frau während des Abendessens! Umfang: ca. 300 Wörter.

Geschrieben vonBritta C. Jung



BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN3/4
Niveau3
Studienlast1,5
ArbeitsformGruppenarbeit
Fokushistorischer Kontext
Ziel

Erarbeiten des historischen Kontexts

Aufgabe

1. Sammelt im Internet Informationen zum Leben und zum Lebensgefühl im Deutschland der 50er und 60er Jahre. Bildet kleine Gruppen, die jeweils einem speziellen Thema nachgehen. Jede Gruppe schreibt 5 bis 10 Schlagworte auf, die ihnen für die Zeit und das jeweilige Thema aussagekräftig erscheinen. Mögliche Themen sind etwa politische Entwicklungen, wirtschaftlicher Aufbau, kulturelles Leben, Vergangenheitsbewältigung, Alltagsleben, etc.

> Das Lebendige virtuelle Museum Online (LeMO), ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (HdG) in Bonn und des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin, wird euch dabei mit Sicherheit weiterhelfen. Hier findet ihr nicht nur kurze Übersichtsartikel und Bildmaterial zu bestimmten Themen, sondern in der Rubrik "Kulturelles Gedächtnis" auch persönliche Erinnerung, die im Zusammenhang mit dem Alltagsleben in Deutschland stehen. Der Link lautet: http://www.dhm.de/lemo/home.html

2. Nehmt den Vorleser zur Hand und schreibt mit Seitenverweis stichpunktartig auf, welche Details typisch für die 50er und 60er Jahre sind.

3. Versucht auf der Homepage des LeMo Bildmaterial zu finden, das eure Schlagworte ergänzt und bereitet dann eine kleine Präsentation zu eurem Thema vor, in der ihr auf die verschiedenen Schlagworte eingeht und den Zusammenhang mit dem Vorleser verdeutlicht. Arbeitet dabei auch das gefundene Bildmaterial ein - als Ausdruck, als Folie oder als Powerpointfolie. Die Bilder werden die Präsentation für eure Zuhörer lebendiger machen und euch selbst als Orientierung dienen!

Geschrieben vonBritta C. Jung




Der Vorleser*  - Schlink, BernhardNiveau 4

Der Vorleser*

Autor:Schlink, Bernhard
Erscheinungsjahr:1995
Verlag:Diogenes
Verlagsort:Zürich
Seitenzahl:206
Gattung:Ideen-Roman
Thema:Recht und Gerechtigkeit
Sprachniveau: B2
 
Leser
Lehrer
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2001 wurde Schlink zum Chevalier dans l'Ordre de la Légion d'Honneur ernannt, 2002 erhielt er den Preis des German-British Forum für sein Gesamtwerk, 2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für Der Vorleser.
Verfilmung: The Reader (2008) - mit Kate Winslet.

 

Aufgaben

BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN4/1
Niveau4
Studienlast1
Arbeitsformindividuell
FokusGenre
Ziel

Reflexion des Genres

Aufgabe

Der Vorleser lässt sich verschiedenen literarischen Genres zuordnen. Er lässt sich als Liebesroman, Ideen-Roman, zeitgeschichtlicher Roman, psychologischer Roman, als Gesellschaftsroman oder aber als Generationsroman beschreiben.

1. Denke zunächst darüber nach, was die einzelnen Genres genau ausmacht und mache dir Stichworte dazu.
2. Versuche dann so viel wie möglich über diese Genres herauszufinden, um deine Überlegungen zu überprüfen und etwaige Lücken zu füllen.
3. Verfasse eine kurze, aber prägnante Beschreibung dieser Genres. Schreibe dabei aber nicht einfach ab, was du gelesen hast, sondern versuche es in deinen eigenen Worten zu formulieren.
4. Überlege nun welches dieser Genres deiner Meinung nach am besten zum Vorleser passt und begründe deine Antwort.

Neben deinem eigenen Verstand und einer gesunden Kombinationsgabe können dir die folgenden Nachschlagewerke beim Bearbeiten der Aufgabe helfen!

> MetzlerLexikon Literatur. Begriffe und Definitionen (Hg. Günther & Irmgard Schweikle)
> Sachwörterbuch der Literatur (Hg. Gero v. Wilpert)
> http://www.schuelerlexikon.de/
> http://www.dbnl.org/
> Herkömmliche Lexika

Geschrieben vonBritta C. Jung



BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN4/2
Niveau4
Studienlast1
ArbeitsformGruppendiskussion
FokusMoral
Ziel

Reflexion von Geschlechterrollen

Aufgabe

Der Altersunterschied zwischen zwei Liebenden hat viel mit dem Rollenbild von Frau und Mann in einer Gesellschaft zu tun. In dieser Aufgabe werdet ihr euch darum einige Gedanken um Geschlechterrollen und Alter machen.

(A) Diskutiert die folgenden Fragen:
1. Wenn ihr zurückdenkt. Wie hat es sich traditionell mit dem Altersunterschied zwischen Mann und Frau verhalten?
2. Was bedeuten die Begriffe 'Femme fatale', 'Vamp', 'Sirene' und 'Dragon Lady'? Welche Konnotationen haben sie und inwieweit hängen sie mit dem Alter der Frauen zusammen?
3. Gibt es vergleichbare Begriffe für Männer?
4. Wenn ja, was könnte die Ursache hierfür sein?
5. Wie verhält es sich heute damit? Kennt ihr prominente Beispiele, wo sich das Verhältnis zwischen Geschlechterrollen und Alter verkehrt hat?
6. Was hat sich verändert? Und woran könnte das liegen?

Ernennt für die Diskussion einen Protokollanten, der die wichtigsten Ergebnisse stichwortartig an einer Seite der Tafel festhält.

(B) Als nächstes lest ihr den Artikel "Frauen mit jüngeren Partnern. 'Das hält eh nicht lange'" aus der Süddeutschen (6. November 2008). Den Artikel findet ihr unter:
http://www.sueddeutsche.de/leben/frauen-mit-juengeren-partnern-das-haelt-eh-nicht-lange-1.203361


Der Protokollant schreibt nun unter Zuruf die wichtigsten Punkte des Zeitungsartikels auf die andere Seite der Tafel. In der Mitte der Tafel könnt ihr dann im Anschluss die Stichworte von beiden Seiten in einer Tabelle gegenüberstellen und die Ergebnisse eurer Gruppendiskussion mit den Punkten aus dem Artikel vergleichen.

1. Welche Punkte tauchen in beiden Spalten der Tabelle auf und welche nicht?
2. Diskutiert die Unterschiede! Inwieweit überzeugen euch die Argumente des Zeitungsartikels? Inwieweit nicht?
3. Wo könnten die neuen Geschlechterrollen derzeit (noch) auf gesellschaftliche, politische, soziale, kulturelle Grenzen stoßen?

(C) Wenn ihr nun eure bisherigen Diskussionsergebnisse anschaut, inwiefern findet ihr diese in der Beziehung zwischen Michael und Hanna aus Der Vorleser wieder?

Geschrieben vonBritta C. Jung



BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN4/3
Niveau4
Studienlast1,5
Arbeitsformindividuell
FokusKomposition, Symbolfunktion
Ziel

Analyse - Funktion des Traums

Aufgabe

Am Anfang des Vorlesers (S. 8-11) beschreibt der Erzähler einen wiederkehrenden Traum, der ihn sein ganzes Leben lang begleitet hat. Welche Funktion hat dieser Traum in dem Roman? Der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, nannte Träume den "Königsweg zum Unterbewusstsein". Was sagt der Traum über das Unterbewusstsein des Erzählers - seine Wünsche, Hoffnungen, Ängste und Probleme - aus?
Um einen Anfang zu finden, kannst du die folgenden Fragen als Ausgangspunkt nehmen.

  1. Was ist der Kern des Traumes? Oder anders gefragt: Was ist das zentrale Objekt des Traums und wofür steht dieses?
  2. Warum variiert er? Überlege dafür zunächst in welchen Punkten der Traum variiert und in welchen er konstant bleibt.
  3. Warum, denkst du, erwähnt der Erzähler den Traum zu diesem speziellen Zeitpunkt in seiner Erzählung und nicht später?

Beschreibe bei deiner Antwort nicht nur, wie sich der Erzähler im Verlauf des Traumes fühlt, sondern berücksichtige dabei auch das, was du bereits im ersten Teil dieser Aufgabe herausgefunden hast!
Was glaubst du, welche Konsequenzen das frühe Wissen um den wiederkehrenden Traum für den Leser hat?

Geschrieben vonBritta C. Jung



BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN4/4
Niveau4
Studienlast1,5
ArbeitsformZweiergruppe
FokusMoral
Ziel

Analyse und Reflexion der Schuld

Aufgabe

Schuld spielt eine wichtige Rolle im Roman. Sowohl Hannas als auch Michaels Leben ist geprägt von der Frage, inwiefern sie bzw. er sich schuldig gemacht hat. In diesem Auftrag setzt ihr euch näher mit dieser Schuldfrage auseinander und diskutiert das Für und Wider.

Die folgenden Arbeitsschritte werden euch dabei helfen:

  1. Ermittelt zunächst gemeinsam, worum sich die Schuldfrage bei Hanna bzw. bei Michael dreht! Woran haben sie sich schuldig gemacht? Was kann ihnen vorgeworfen werden? Ihr solltet dabei mit Hanna beginnen!
  2. Wie beurteilt ihr die jeweilige Schuld der Beiden?
  3. Nachdem ihr geklärt habt, worum sich die Schuldfrage bei Hanna und Michael dreht und euch dazu positioniert habt, übernimmt einer die Rolle des Anklägers, der andere die des Verteidigers. Sucht im Text nach so vielen Argumenten wie möglich, um die Position zu untermauern, und notiert sie euch in Stichworten! Ihr könnt euch natürlich auch noch eigene zusätzliche Argumente überlegen.
  4. Diskutiert nun das Für und Wider; versucht dabei eure Rollen als Ankläger und Verteidiger einzuhalten! Zum Schluss solltet ihr euch auf ein Urteil einigen können.
  5. Wie beurteilt ihr nun die Schuld von Hanna, wie die Schuld von Michael? Ist eure Meinung noch dieselbe wie am Anfang oder hat sie sich verändert? Wenn ja, inwiefern?
Geschrieben vonBritta C. Jung




Der Vorleser*  - Schlink, BernhardNiveau 4

Der Vorleser*

Autor:Schlink, Bernhard
Erscheinungsjahr:1995
Verlag:Diogenes
Verlagsort:Zürich
Seitenzahl:206
Gattung:Ideen-Roman
Thema:Recht und Gerechtigkeit
Sprachniveau: B2
 
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2001 wurde Schlink zum Chevalier dans l'Ordre de la Légion d'Honneur ernannt, 2002 erhielt er den Preis des German-British Forum für sein Gesamtwerk, 2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für Der Vorleser.
Verfilmung: The Reader (2008) - mit Kate Winslet.

 

Aufgaben

BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN5/1
Niveau5
Studienlast1
Arbeitsformindividuell
FokusMoral
Ziel

kreativer Schreibauftrag

Aufgabe

An einer Stelle fragt der Richter die Angeklagten, ob sie denn nicht gewusst haben, dass sie Gefangene in den Tod schicken, wenn sie diese selektieren. Hanna stellt dem Richter die Gegenfrage, was er denn an ihrer Stelle getan hätte und bringt ihn damit in eine schwierige Situation (S. 106-107).

Schreibe die Szene aus Wahrnehmung des Richters heraus!

Bedenke dabei folgendes
: Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle stellen sich im Kopf nicht unbedingt als grammatikalisch vollständige Sätze dar. Manchmal sind es nur Satzfragmente oder einzelne Worte. Du kannst deiner Kreativität also freien Lauf lassen und dich - wenn nötig - über grammatikalische Regeln hinwegsetzen!

Wichtig ist nur, dass du beim Schreiben im Hinterkopf behältst, was für ein Mensch der Richter eigentlich ist und versuchst mit deinem Schreibstil diesen Charakter einzufangen und für deine Leser erkennbar wiederzugeben. Mache dir also vorher ein genaues Bild vom Richter und halte es zu deiner Erinnerung in einigen Stichworten fest!

Beispiel eines Bewusstseinsstroms:

"... es geht doch nichts über so einen Kuß lang und heiß geht einem runter bis in die Seele ja lähmt einen fast und dann kann ich diese ganze Beichterei auf den Tod nicht ausstehen wie ich immer zu Pater Corrigan gegangen bin er hat mich angefaßt Pater na wenn schon was ist denn dabei und er gleich wo und ich wie ein richtiges Doofchen als Antwort am Kanalufer aber ich meine doch wo an deinem Körper mein Kind am Bein hinten oben ja ziemlich hoch oben wars dort wo du sitzt etwa ja o mein Gott konnte er nicht einfach Hintern sagen ..." (James Joyce: Ulysses, S. 945)


(Literarische) Theorie

Bei einem 'stream of consciousness' (engl. für Bewusstseinsstrom) versucht der Autor (also du) die Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle und Reflexionen einer Erzählfigur (hier des Richters) subjektiv so wiederzugeben, wie sie ins menschliche Bewusstsein fließen. Es werden nicht mehr nur die Bewusstseinsinhalte direkt und unmittelbar wiedergegeben, sondern auch noch deren (vermeintlich) assoziative, ungesteuerte und völlig freie Struktur sprachlich nachgebildet. Strukturierende Satzzeichen und Verben (sagte, dachte, grummelte, sah, etc.) fallen daher meinst weg.

Geschrieben vonBritta C. Jung



BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN5/2
Niveau5
Studienlast1,5
ArbeitsformZweiergruppe
FokusMotiv
Ziel

Analyse des Literaturmotivs

Aufgabe

Die Liebesbeziehung zwischen Michael und Hanna basiert auf einem festen Ritual: "Vorlesen, duschen, lieben und noch ein bißchen beieinanderliegen"  (S. 43).

  1. Schaut euch einmal an, welche literarischen Werke Michael Hanna vorliest (Autor, Titel und Seitenzahl im Vorleser).
  2. Nachdem ihr eine Liste erstellt habt, teilt ihr die Werke untereinander auf. Jeder von euch sucht nun kurze Zusammenfassungen der einzelnen Werke, liest sie sich durch und hält die wichtigsten Punkte (Inhalt und stilistische Besonderheiten) fest.
  3. Wenn ihr beide fertig seid, nehmt ihr wieder den Vorleser zur Hand, geht die gesamte Liste Titel für Titel durch und versucht Antworten auf die folgenden Fragen zu finden:
    a. Wann genau lesen Michael und Hanna das jeweilige Buch?
    1. Worum geht es in dem Buch? (Maximal 2 bis 3 Sätze)
    2. Sagt Michael etwas über das Buch?
    3. Wie reagiert Hanna auf das Buch?
    4. Wenn ihr euch eure Antworten anschaut, könnt ihr eine Entwicklung in der Literaturauswahl feststellen? Und wenn ja, inwiefern spiegelt diese die Beziehung von Michael und Hanna wider?
    5. Interessant ist auch, welche Bücher Hanna während ihrer Haftzeit selbst liest. Wie passen diese Bücher in die Beziehung von Michael und Hanna?

Tipp zur Recherche:

Das umfangreichste, deutschsprachige Nachschlagewerk für Literatur ist das Kindler Literatur Lexikon. Es handelt sich hierbei um ein Werklexikon zur Weltliteratur, das die kulturgeschichtlich bedeutendsten Werke aus Belletristik und Sachliteratur aller Literatursprachen beschreibt. Bekannt ist auch das fünfzehnbändige Literaturlexikon  des Bertelsmannverlags, das - nach seinem Herausgeber - auch kurz 'Der Killy' genannt wird.

Geschrieben vonBritta C. Jung



BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN5/3
Niveau5
Studienlast1,5
Arbeitsformindividuell
Fokusliterarische Wertung
Ziel

Auseinandersetzung mit der bestehenden Literaturkritik

Aufgabe

Obwohl sich ein Großteil der Literaturkritiker lobend zum Vorleser geäußert und - neben den stilistischen Qualititäten - vor allem die originelle Art und Weise der Vergangenheitsbewältigung hervorgehoben hat, haben andere Geschichtsrevisionismus, Geschichtsverfälschung und Holocaust-Verharmlosung kritisiert. Der Romancier Federic Raphael etwa wirft Schlinks Vorleser eine "Form der Kollaboration mit dem Bösen" und "bewusste Falschmünzerei" vor; der britische Dichter und Philologe Jeremy Adler spricht gar von "kultureller Pornographie".

Auch Nora Bierich urteilt ähnlich und begründet ihren Vorwurf folgendermaßen:

"Bernhard Schlink betreibt in seinem Roman keine Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte, sondern deren Revision. Indem er die Figur der Hanna als Analphabetin konstruiert, relativiert er ihre Schuld. Täterschaft wird klein geredet, durch Analphabetentum und Zufälle erklärt. Diese auf Fehlverhalten durch Unbildung reduzierte Figur der NS-Täterin steht in keinem Verhältnis zu den wirklichen Täterinnen und Täter. Auch Michaels Schuld wird revidiert. Die große Frage des Buches, ob Liebe zu einer Täterin mitschuldig macht, wird unter den Teppich gekehrt, indem sie zu einer anderen Frage der Schuld verschoben wird. Und weil Hanna Analphabetin ist und eigentlich gar nicht so böse und schuldig, wie ihr unterstellt wird. Durch ihr Schweigen aber hat sie sich schuldig gemacht, zuletzt auch an Michael. Und der erhält am Ende seine Absolution durch die überlebende Jüdin in New York: auch er ist Hannas Opfer."

(Nora Bierich, Kulturpornografie, Holo-Kitsch und Revisionismus, in: Zeitgeschichte-online, Februar 2009, URL: http://www.zeitgeschichteonline.de/zol/portals/_rainbow/documents/pdf/bierich_vorleser.pdf)

  1. Warum glaubst du reagieren die Kritiker so unterschiedlich auf den Vorleser? Einige Stichworte genügen hier!
    1. Welche Rolle spielt der Vorwurf von Geschichtsrevisionismus in den Kritiken von Romanen, die in einer anderen historischen Epoche spielen? Falls Vorwürfe von Geschichtsrevisionismus auch bei Romanen zu anderen Epochen eine Rolle spielen, fasse die Vorwürfe kurz zusammen und überlege, ob es eventuell Unterschiede zu jenen gegen den Vorleser gibt. Falls nicht, überlege was den Vorleser von anderen historischen Romanen unterscheidet.

 
Worterklärung 'Geschichtsrevisionismus':


Als Geschichtsrevisionismus bezeichnet man Versuche ein wissenschaftlich, politisch und gesellschaftlich akzeptiertes Geschichtsbild zu revidieren (d.h. zu verändern), indem historische Ereignisse anders erklärt, gedeutet und gewertet werden.

Geschrieben vonBritta C. Jung



BuchSchlink, Bernhard, Der Vorleser*
NummerN5/4
Niveau5
Studienlast2-3
ArbeitsformGruppendiskussion
FokusThema
Ziel

Kritische Reflexion des Begriffs der 'Kollektivschuld' und Ergründung des kulturhistorischen Hintergrunds des Romans

Aufgabe

Im Zusammenhang mit der Judenverfolgung ist in den vergangen Jahrzehnten immer wieder der Begriff der 'kollektiven Schuld' bzw. der 'Kollektivschuld' der Deutschen aufgetaucht. Besonders für die so genannte zweite Generation, also die Kinder der Tätergeneration, war die Frage von großer Bedeutung, inwieweit sie selbst - obwohl erst gegen Ende des Zweiten Weltkriegs oder danach geboren - Schuld auf sich geladen haben.  In dieser Aufgabe werdet ihr den Begriff 'Kollektivschuld' und seine Implikationen zunächst klären und dann kritisch diskutieren.

1. Was beinhaltet das Wort 'Kollektivschuld' wörtlich?
2. Welche politischen, gesellschaftlichen oder kulturelle Implikationen und Folgen hat die Vorstellung von kollektiver Schuld für eine Nation wie Deutschland?
An dieser Stelle kann es hilfreich sein eine so genannte Mind Map (siehe Erklärung) anzufertigen.
3. Versucht in der Bibliothek oder mit Hilfe des Internets zu recherchieren, wie sich die Bundesrepublik Deutschland (als Staat) bzw. die Deutschen (als Gesellschaft oder Individuen) in den vergangenen Jahrzehnten zum 'Dritten Reich' positioniert hat bzw. haben! Inwieweit spiegeln sich hier die Implikationen und Folgen wider, die ihr unter Frage 2 vorausgesehen habt?

Die folgenden Fragen sollen euch dazu anregen, den Begriff der 'kollektiven Schuld' bzw. der 'Kollektivschuld' kritisch zu diskutieren. Selbstverständlich könnt und sollt ihr in der Diskussion auch eigene Fragen entwickeln.

4. Unterscheidet sich 'Kollektivschuld' von 'Sippenhaft'? Wenn ja, inwiefern?
5. Kann ein ganzes Volk überhaupt schuldig sein?

Als Ausgangspunkt kann euch hierfür der folgende Absatz aus dem Roman dienen: "Unsere Eltern hatten im Dritten Reich ganz verschiedene Rollen gespielt…" (S. 87-88).

6. Hat 'Kollektivschuld' eine Halbwertzeit, d.h. nimmt sie mit der Zeit ab oder bleibt sie immer gleich groß? Was würde das jeweils für die Schuldigen bedeuten?
7. Wie beurteilt Bernhard Schlink die zeitliche Dimension von 'kollektiver Schuld'? Ist euch bei der Lektüre des Vorlesers hierzu etwas aufgefallen?
Um eine genaue Antwort auf die Frage zu finden, lest Schlinks Aufsatz 'Kollektivschuld?' und besprecht ihn in der Gruppe. (Bernhard Schlink: 'Kollektivschuld?', Vergangenheitsschuld. Beiträge zu einem deutschen Thema, Zürich: Diogenes, 2007, S. 11-33.)

Und schließlich zwei Fragen zum Weiterdenken:

8. Kennt ihr historische Kontexte, in denen entweder 'Sippenhaft' oder aber das Prinzip der 'Kollektivschuld' praktiziert wurde? Wie beurteilt ihr die Anwendungen in moralischer Hinsicht? Und gibt es Unterschiede zu dem hier vorliegenden Fall?
9. Inwieweit handelt es sich beim Nationalsozialismus und Holocaust um ein spezifisch deutsches oder ein gesamteuropäisches Phänomen? Welche Rolle haben andere europäische Länder wie etwa Frankreich, Polen und die Niederlande gespielt?

Erklärung Mind Map:


Eine Mind Map (auch 'Gedankenkarte') ist eine grafische Darstellung, die Beziehungen zwischen verschiedenen Begriffen aufzeigt. Um eine Mind Map anzufertigen benötigt ihr ein leeres Blatt Papier - umso größer, umso besser.

In die Mitte des Blatts schreibt ihr dann das zentrale Thema bzw. die zentrale Frage für die Mind Map (hier: Implikationen von kollektiver Schuld). Von diesem Thema gehen dann verschiedene Hauptäste (Hauptkapitel) mit weiteren Unterästen (Unterkapitel) ab, welche die dazugehörenden Aspekte ranggerecht darstellen. Es ist wichtig, dass ihr euch beim Anfertigen von einer Mind Map auf Stichworte beschränkt, da es sonst zu unübersichtlich wird. Für zusätzliche Übersichtlichkeit können auch unterschiedliche Farben und Bilder sorgen.

Geschrieben vonBritta C. Jung




Der Vorleser*  - Schlink, BernhardNiveau 4

Der Vorleser*

Autor:Schlink, Bernhard
Erscheinungsjahr:1995
Verlag:Diogenes
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Thema:Recht und Gerechtigkeit
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Der Vorleser*

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Erscheinungsjahr:1995
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Thema:Recht und Gerechtigkeit
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2001 wurde Schlink zum Chevalier dans l'Ordre de la Légion d'Honneur ernannt, 2002 erhielt er den Preis des German-British Forum für sein Gesamtwerk, 2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für Der Vorleser.
Verfilmung: The Reader (2008) - mit Kate Winslet.

 

Bernhard Schlink (*1944) ist seit 1992 Professor für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bereits 1987 legte der Jurist jedoch mit Selbs Justiz, einem Kriminalroman und dem Auftakt der erfolgreichen Selb-Trilogie, seinen Debütroman vor. Inzwischen hat Schlink eine Reihe belletristischer Werke veröffentlicht, von denen der 1995 erschienene Roman Der Vorleser zum internationalen Bestseller avancierte. Einen nicht unerhebliche Rolle hat dabei freilich die amerikanische Talkmasterin Oprah Winfrey gespielt, die den Vorleser in ihrem Buchclub besprochen hat  und so in die bereite, internationale Öffentlichkeit getragen hat. In der Folge stand Der Vorleser auf dem ersten Platz der New York Times Bestseller Liste (als erstes deutsches Buch überhaupt) und wurde in über dreißig Sprachen übersetzt. Der Vorleser wurde mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet und 2008 mit Kate Winslet, Ralph Fiennes und David Kross als deutsch-amerikanische Koproduktion verfilmt. Weitere belletristische Werke von Schlink sind, neben der bereits erwähnten SelbTrilogie, Die gordische Schleife (1988), Liebesfluchten (2000) und Sommerlügen (2010).

Inhalt

Ende der fünfziger Jahre ist der Nationalsozialismus in Deutschland in weite Ferne gerückt und die Deutschen blicken frohgemut der Zukunft entgegen. Das gilt auch für den fünfzehnjährigen Michael Berg. Als Michael eines Tages auf dem Schulweg geschwächt zusammenbricht und eine Frau mittleren Alters sich seiner annimmt, ahnt Michael noch nicht, dass diese Begegnung der Anfang einer Beziehung ist, die ihn für den Rest seines Lebens nicht mehr loslassen wird. Zwischen Michael und Hanna entspinnt sich eine kurze, aber leidenschaftliche Liebesbeziehung, die den Jungen Schritt für Schritt dem Erwachsensein näherbringt. Die Beziehung endet jedoch abrupt als Hanna eines Tages spurlos verschwindet. Erst Jahre später sieht er sie an einem Ort wieder, den er in seinen kühnsten Träumen nicht erwartet hätte. Michael, der inzwischen Jura studiert, nimmt als Prozessbeobachter an einem Kriegsverbrecherprozess gegen ehemalige Wärterinnen eines Außenlagers von Auschwitz teil. Ungläubig beobachtet er wie seine erste Liebe auf der Anklagebank sitzt und für ihre NS-Vergangenheit geradestehen muss. Michael muss erkennen, dass der Nationalsozialismus gar nicht so fern ist wie er bisher immer geglaubt hatte.

Schwierigkeitsgrad

Literarisches Niveau: Der Erzählrahmen ist weitgehend linear strukturiert und leicht nachzuvollziehen. Obwohl es sich bei der Erzählung um eine Retrospektive des gealterten Ich-Erzählers handelt, finden sich nur selten Zeitsprünge oder Vorwegnahmen.
Der Roman ist in drei Teile unterteilt, wovon der Erste aufgrund des Alters des Protagonisten den Schülern wohl am Nächsten stehen wird. Die hier beschriebene jugendliche Erfahrungswelt dürfte den Schülern im gewissen Sinne vertraut sein, wenngleich die Realitäten der Nachkriegszeit auch nicht jedem direkt vor Augen stehen. Deutlich anspruchsvoller wird es im zweiten Teil, in dem der Erzähler - inzwischen Student - dem Kriegsverbrecherprozess beiwohnt. Hier müssen die Schüler bereit sein, die philosophischen, moralischen und juristischen Überlegungen des Erzählers zu reflektieren und sich ein eigenes Urteil zu bilden, da sich der Roman einer eindeutigen Schuldzuweisung verweigert. Der dritte und letzte Teil schildert im Zeitraffer die zwei Jahrzehnte nach dem Prozess und beschäftigt sich mit den seelischen Nachwirkungen der Beziehung. Auch hier müssen die Schüler ausgebreitete Gedankengänge  reflektieren, wenngleich die Dichte auch weniger groß ist als im Zweiten Teil.
Der mit knapp 200 Seiten noch immer geringe Umfang des Buches erleichtert zwar den Verständnisprozess, die komplexen inhaltlichen Fragen des Romans führen aber zu einer Einordnung in Niveaustufe 4.

Sprachliches Niveau
: Der Roman ist im Großen und Ganzen in einer äußerst präzisen und eindeutigen Sprache verfasst, wobei aber häufig auch Hypotaxen und Konjunktivkonstruktionen auftauchen. Die retrospektive Erzählsituation spiegelt sich deutlich in der verwendeten Sprache (v.a. im Vokabular) wider und kann in den Augen von heutigen Schülern leicht antiquiert wirken. Zudem greift der Erzähler auf juristisches und nationalsozialistisches Jargon zurück. Um die Erzählung ausreichend rezipieren zu können, ist daher als Niveaustufe mindestens B2 anzusetzen.

Didaktische und philologische Analyse

Dimensionen

Indikatoren

Hinweise zu komplizierenden Faktoren

Allgemeine Voraussetzung (um den Text verstehen zu können)

Bereitschaft

Die Motivation den Vorleser zu lesen dürfte aufgrund seiner Thematik relativ hoch sein. Anders als viele andere Texte setzt sich dieser Roman nur indirekt mit der NS-Zeit auseinander, vielmehr wirft er einen Blick auf die Nachgeschichte dieser für Deutschland (und Europa) prägende Zeit und wirft viele allgemeine Fragen auf. Erleichtert wird der Einstieg in den Roman, dadurch dass der Erzähler im ersten Teil 15 Jahre alt und damit etwa im gleichem Alter der Schüler ist.

Interessen

Obwohl der Ich-Erzähler ein Junge/Mann ist, spricht Der Vorleser durch die introspektive Erzählweise auch Mädchen an. Geschichtlich und philosophisch interessierte Schüler wird dieses Buch besonders interessieren.

Allgemeinkenntnisse

Historische Grundkenntnisse zum 'Dritten Reich' und der deutschen Nachkriegszeit sollten vorhanden sein. Detailwissen ist allerdings nicht notwendig, sofern die Schüler eine gewisse Neugier auf und Offenheit für ihnen unbekannte Lebenswelten besitzen und bereit sind über komplexere moralische, philosophische und juristische Fragen zu reflektieren.

Spezifische kulturelle und literarische Kenntnisse

Die Erzählung rekurriert auf verschiedene Werke der Weltliteratur im Allgemeinen und unzählige Werke der deutschen Literaturgeschichte im Besonderen. Die Kenntnis dieser Werke bereichert ohne Zweifel die Lektüre und beleuchtet die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten näher. Allerdings ist eine Kenntnis der Werke nicht zwingend notwendig, um den Text verstehen zu können.

Fertigkeit bezüglich des Sprachgebrauchs und des literarischen Stils

Vokabular

Die Erzählung basiert auf einem fortgeschrittenen Vokabular, das durch die Generation und das soziale Umfeld des Erzählers (zweite Generation, akademisches Umfeld) geprägt ist. Allerdings bleiben die Beschreibungen und Gedanken des Erzählers auf einer realistisch-präzisen Ebene, wodurch der Text auch für Jugendliche weitgehend verständlich sein sollte. Eventuelle Lücken sollten sich im Großen und Ganzen aus dem Textzusammenhang füllen lassen.

Satzkonstruktionen

Schlink variiert in seinem Roman kurze, prägnante Sätze mit längeren, mehrzeiligen Schachtelsätzen. Die Sprache bleibt dabei jedoch stets präzise und verständlich.
Während des Gerichtsprozesses kommt es zu einer Häufung der indirekten Rede. Dabei sind jedoch immer wieder Abschnitte in direkter Rede eingeschoben, die den Sprachfluss beleben: "Nein, sagte eine Angeklagte nach der anderen, so sei es nicht gewesen. Der Bericht sei falsch. Das sehe man schon daran, daß er von der Aufgabe der zurückgebliebenen Aufseherinnen rede, ein Übergreifen der Brände zu verhindern. Wie hätten sie diese Aufgabe erfüllen sollen. Sie sei Unsinn, und ebenso sei die andere Aufgabe, Fluchtversuche im Schutz der Brände zu verhindern, Unsinn. […] Wie es zu einem derart falschen Bericht kommen könne? Sie wüßten es auch nicht. Bis die behäbig-gehässige Angeklagte dran war. Sie wußte es. 'Fragen Sie die da!' Sie zeigte mit dem Finger auf Hanna. 'Sie hat den Bericht geschrieben. Sie ist an allem schuld, sie allein, und mit dem Bericht hat sie das vertuschen wolle und uns reinziehen wollen.'" (S. 120-121)

Stil

Wie erwähnt wird die Gedanken- und Gefühlswelt des Erzählers umfassend dargestellt. Metaphern und Sinnbilder werden dabei jedoch eher sparsam eingesetzt. Am markantesten ist wohl die Haus-Metapher zu Beginn er Erzählung. Bevor sich vor den Augen des Lesers die Beziehung zwischen Michael und Hanna entfaltet, wird mit der Beschreibung des Hauses, in dem Michael Hanna kennen- und lieben lernt, die Beziehung der beiden, v.a. Michaels zu Hanna, vorweg genommen.
Des Weiteren durchziehen einige Leitmotive die Erzählung (Sexualität, Lesen/Vorlesen, Betäubung und Verbildlichung).
Wegen der Erzählperspektive sollten die Schüler auch darüber nachdenken, inwieweit den Schilderungen und Gedanken des Erzählers vertraut werden kann. Was will der Erzähler mit seinem Bericht? (Stichwort: Unzuverlässiges Erzählen)

Fertigkeit bezüglich der literarischen Verfahrensweise

Handlungsdichte

Die Dynamik der Handlung ist relativ schwach ausgeprägt, da vor allem die Auseinandersetzung mit der Gefühls- und Gedankenwelt des Ich-Erzählers, aber auch mit allgemeineren Fragen im Mittelpunkt steht. Spannungselemente sind kaum zu finden, wobei die Erzählung mit der Enthüllung von Hannas NS-Vergangenheit naturgemäß an Fahrt aufnimmt und der Beziehung zwischen Michael und Hanna eine neue Richtung gibt.
Der Mangel an aufregend-dramatischen Ereignissen kann die Leselust von Schülern dämpfen, vor allem wenn sie im Zusammenhang mit dem 'Dritten Reich' eine handlungsreiche Geschichte erwarten sollten. Gleichzeitig kann hierin aber für andere Schüler auch eine Stärke des Buches liegen, da es anders agiert als viele andere, bereits bekannte Bücher über den Nationalsozialismus, Weltkrieg und Holocaust.

Chronologie

Der Roman umspannt die Jahre 1958 bis 1993, die teils ausführlicher, teils gerafft wiedergegeben werden. Das Geschehen wird weitestgehend chronologisch erzählt, wenngleich auch einige Vorausdeutungen eingestreut werden. Der Rückblick auf das Jahr 1944/45, in dem Hanna bei der SS war und als Wärterin in Auschwitz arbeitete, wird während des Prozesses im Rahmen von Zeugenaussagen und -Berichten retrospektiv erzählt  und ist damit Teil der erzählten Gegenwart. Aufgrund der Chronologie dürfte sich also das Rahmengeschehen den Schülern als äußerst schlüssig darstellen.

Erzählstrang /-stränge

Mehrere Erzählstränge oder verschieden Episodenhandlungen sind nicht zu feststellen. Die Erzählung konzentriert sich vollständig auf die Beziehung zwischen Michael und Hanna und auf die Zuspitzung der inneren Konflikte des Ich-Erzählers.

Perspektive (n)

Die Schüler müssen sich in die Perspektive des Ich-Erzählers hineindenken, der seine Lebensgeschichte retrospektiv erzählt und den der Leser erst im Verlauf der Geschichte besser einzuschätzen lernt. Warum etwa ist sein Ton so melancholisch?
Perspektivwechsel finden nicht statt.

Bedeutung (sschichten)

Schlinks Erzählung hat mehrere Bedeutungsebenen. Vordergründig geht es um die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann und einer älteren Frau; eine Liebesgeschichte, die seine Initiation darstellt.
Auf einer zweiten Ebene geht es um die Auseinandersetzung der zweiten Generation in Deutschland mit ihrer Elterngeneration und deren Verbrechen.
Und auf einer dritten Ebene geht es schließlich um die Auseinandersetzung Michaels mit seiner eigenen Generation.

Fertigkeit bezüglich der literarischen Figurengestaltung

Charaktere

Äußerst tiefgründig charakterisiert wird der Ich-Erzähler, dessen Gefühle und Gedanken der Mittelpunkt des Romans sind. Wobei sich auch von Hanna, als Fokus von Michaels Gedanken und Gefühlen, ein relativ deutliches Bild abzeichnet.
Andere Charaktere spielen keine wesentliche Rolle und sind reine Stichwortgeber bzw. Dekor.
Die Identifikation des Lesers wird sich vor allem auf den Michael konzentrieren, da dieser zum Einen eine Innenperspektive (Ich-Erzähler) bietet und zum Anderen die Erfahrungswelt näher an der Lebenswelt der Schüler liegen wird (Hannas NS-Vergangenheit wirkt auf Schüler doch recht befremdlich).

Zahl der Figuren

Die Anzahl der tragenden Figuren beschränkt sich auf zwei, Michael und Hanna.

Verhältnisse

Das Verhältnis zwischen Michael und Hanna ist das zentrale Thema des Romans, ebenso wie - in der Verlängerung gedacht - die auffallenden Nicht-Verhältnisse Michaels mit anderen Figuren (z.B. seine Ehefrau und Tochter)

Benutzte Quellen

Bernhard Schlink (1997): Der Vorleser. Zürich: Diogenes.
Niederländische Homepage von Schlink:  www.bernhardschlink.nl

Relevante Quellen

S. Moraldo (2002): "Bernhard Schlink". KLG - Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (70. Nlg.).
T. Krause (1999): "Bernhard Schlink: Ein Schriftsteller, der nicht im Elfenbeinturm haust". Die Welt. 10. November.
N. Berger (2010): Der Vorleser. Unterrichtshilfe mit Kopiervorlage. Donauwörth: Auer-Verlag.
B.M. Dreike (2002): "Was wäre denn Gerechtigkeit? Zur Rechtsskepsis in Bernhard Schlinks Der Vorleser". German Life and Letters (55/1), S. 117-129.

Verarbeitung und Vertiefung

Schlinks Der Vorleser kann ohne Probleme auf verschiedenen Leseniveaus gelesen werden, wobei es auf jeden Fall zweckmäßig ist zunächst den historischen Rahmen der Erzählung (v.a. die 1950er und 1960er Jahre) abzustecken. Weiterhin ist es für Schüler mit einem niedrigeren Niveau und auch für den allgemeinen Einstieg sinnvoll eine deskriptive Analyse der Handlung anzufertigen, bei der explizit auch die Beziehung der beiden Protagonisten miteinbezogen wird. Für Schüler auf einem niedrigeren Leseniveau bietet es sich darüber hinaus an, eine Charakterisierung der beiden Protagonisten vorzunehmen. Dies sollte sie dabei unterstützen die Beziehung der beiden Figuren besser zu verstehen.
Als nächster Schritt könnten dann einige Kernfragen des Textes herausgearbeitet werden, um diese später entweder in der Gruppe oder aber in einem Schreibauftrag zu diskutieren. Leser auf einem niedrigeren Niveau bedürfen hierbei jedoch einer deutlichen Hilfestellung und sollten durch spezifische Fragen über Michaels Verhalten und Gefühle angeregt werden. Eine günstige Textstelle (freilich unter vielen anderen) befindet sich auf Seite 87 und 88.
Schüler mit einem höheren Leseniveau können auch aus dem Text heraustreten und anhand anderer Quellen ein genaueres Bild der 1960er Jahre in Deutschland (Studentenbewegung) zeichnen, um zu sehen, inwieweit es sich bei Michael um einen typischen Vertreter der zweiten Generation handelt. Wo stimmt er zu, wo widerspricht er der Haltung seiner Altersgenossen?
Je höher das Leseniveau der Schüler desto wichtiger ist es auch die Erzähltechnik Schlinks genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie werden die Leitmotive eingesetzt? Welche erzähltechnischen Konsequenzen hat die Erzählperspektive. Was sagt die Sprache über den Erzähler und seine Haltung gegenüber den Ereignissen in seinem bisherigen Leben? Auch unerfahrenere Leser (Niveau 3) können jedoch bereits dazu aufgefordert werden, sich Gedanken über einfache erzähltechnische  Verfahren zu machen. Dies sollte dann aber auf einer eher kreativen Weise erfolgen. Vor allem die Erzählperspektive (und ein Wechsel derselbigen) bietet sich für einen Kreativaufgabe an. Beispielsweise könnten die Schüler eine kurze Gerichtszene (z.B. S. 106-108) entweder aus Hannas Perspektive bzw. aus der Perspektive eines anderen Prozessbeobachters schreiben.
Last, not least können Schüler mit einem höherem Leseniveau auch einen Blick über den medialen Tellerrand werfen und den Roman mit der gleichnamigen Verfilmung vergleichen. Ein solcher Vergleich würde die Auseinandersetzung mit den erzähltechnischen Verfahren weiter vertiefen und mediale Eigenheiten deutlich vor Augen führen.

erstellt von

Britta C. Jung